Theatererbe erlebbar machen

Dieses Teilprojekt widmet sich der Herausforderung, Theatererbe sichtbar zu machen und neue virtuelle Vermittlungsformen zu finden, die dem  »Theater« als immaterielle Kunstform in seiner Ganzheitlichkeit gerecht werden. Denn in den vielfältigen Sammlungsorten für Theatergeschichte(n), wie in privaten Künstler-Nachlässen, Theaterhäusern, Stadtmuseen, Heimat-  oder Technikmuseen sind die Objekte zwar zahlreich vorhanden, jedoch oft dezentral organisiert und unzureichend vernetzt. Die Artefakte des »theatralen Gedächtnis« sind dort oft ihren Sinnzusammenhängen entrissen und für die Öffentlichkeit nur schwer zugänglich. Hinzu kommt, dass die Flüchtigkeit des Theaters als »ephemere Kunstform« und die Komplexität des Theaters als »Gesamtkunstwerk« in den Sammlungsstrukturen nicht oder nur zum Teil abgebildet werden kann. Zum immateriellen Kulturerbe Theater gehört  auch weit mehr: die Geschichten und die Vielfalt seiner Beteiligten, das Zusammenspiel der künstlerisch-technischen Kräfte und die Atmosphäre im Raum.

Unter dem Motto »Sharing Heritage« des Europäischen Kulturerbejahres stellen wir uns hier die Frage, wie die Zugänglichkeit zu »Theater-Objekten« in Archiven und Museen durch den Einsatz digitaler Werkzeuge verbessert werden kann.

Als beispielhafter Anwendungsfall steht einer der wichtigsten Theaterbauten des letzten Jahrhunderts im Zentrum unserer Arbeit: das nicht mehr existierenden Große Schauspielhaus Berlin des Architekten Hans Poelzig. Theatergründer Max Reinhardt und sein Architekt Poelzig schufen 1919 mitten in Berlin einen der visionärsten Theaterbauten des 20. Jahrhunderts. Mit expressionistischer Formensprache, innovativer Bühnentechnologie und zukunftsweisendem Bühnenraum entstand eine Ikone der Architektur, die im Volksmund als »Tropfsteinhöhle« berühmt wurde. Während der Goldenen 20er brachte dort der Theaterleiter Erik Charell durch seine Revuen den Glamour großer Broadway-Shows nach Berlin.

Unser Kooperationspartner – der Friedrichstadt-Palast Berlin – feiert den 100jährigen Geburtstag in der Jubiläumsspielzeit 2019/20 mit zahlreichen Veranstaltungen, und rückt das Gebäude und seine Bühnenkunst als Teil der eigenen Tradition wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Das zur Zeit entwickelte Projekt »Ein Abend im Großen Schauspielhaus – Virtual Reality Zeitreise Berlin 1927« eröffnet ein digitales Erlebnisfenster in die Vergangenheit, durch das die Geschichte(n) des Theaters, seiner Architektur und seiner Kunst im Hier und Jetzt räumlich erfahrbar werden. Eine Geschichte, die wir aus drei verschiedenen Perspektiven verfolgen können: Der Theaterbesucher Walter Schatz führt uns durch die eindrucksvollen Foyers in den gigantischen Zuschauerraum, die gefeierte Sängerin Fritzi Massary nimmt uns mit in ihre Garderobe und lässt uns eintauchen in den Kosmos eines Bühnenstars, der junge Beleuchter Otto Kempowski zeigt uns die faszinierende Welt der Theatertechnik. Diese drei Protagonisten laden uns ein, an ihrer ganz persönlichen Erinnerungsreise durch das Große Schauspielhaus teilzunehmen – vor, hinter und auf der Bühne.

Wegediagramm Großes Schauspielhaus Berlin
Drei Perspektiven / drei Wege durch das Große Schauspielhaus Berlin

Die Besonderheit an diesem Projekt: historische Objekte aus dem Stadtmuseum Berlin und anderen Archiven werden in die virtuelle Narration eingebunden. So vermitteln die digitalen Exponate, wie zum Beispiel Programmhefte, Requisiten oder bühnentechnische Apparate, theaterhistorisches Wissen auf poetische Weise. Die einzigartige Architektur von Hans Poelzig wird zu einem virtuell erlebbaren Ausstellungsraum, der die Objekte durch die Geschichten der drei Protagonisten kontextualisiert.

Die Premiere findet zunächst online statt – ab sofort ist das Virtual Reality Projekt auf der Internet-Plattform Steam kostenlos zum Download verfügbar und somit für Nutzer:innen mit VR Brillen zu Hause erlebbar. Eine Eröffnung im Foyer des  Friedrichstadt-Palastes ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt geplant.

Weitere Adaptionen dieser Musterlösung auf andere Theater und Gebäude,  Geschichten oder Blickwinkel, andere Archivbestände sind absolut wünschenswert. Bei Kooperationsinteresse gern melden unter:
digital@dthg.de

Projektwebsite

Ein Abend im Großen Schauspielhaus

Zeitreise mit Virtual Reality – Berlin 1927 Reise ins Berlin der Goldenen Zwanziger und erkunde die virtuelle Rekonstruktion des berühmten Theaters. Lass dich mitreißen vom Premierenfieber der drei Protagonisten Walter, Fritzi und Otto – vor, hinter und auf der Bühne. Ein digitales Theater, das neue Perspektiven eröffnet. Kulturerbe, das virtuell erlebbar wird.     Drei …

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Weitere Einblicke in das Projekt:

 

Online Premiere – VR Projekt: “Ein Abend im Großen Schauspielhaus”

Ein Abend im Großen Schauspielhaus

Gemeinsam mit dem Friedrichstadt-Palast Berlin veröffentlicht das Team der digital.DTHG das Virtual-Reality-Projekt “Ein Abend im Großen Schauspielhaus”.

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“Objekte im Netz” – Theatergeschichte im digitalen Wandel

Kürzlich ist der Fachartikel “Im/materielle Theaterräume erlebbar machen. Sammlungsobjekte virtuell erforschen” im Band “Objekte im Netz” – Wissenschaftliche Sammlungen im digitalen Wandel” im transcipt Verlag erschienen. Bei der gleichnamigen Tagung haben Projektleiter:in Franziska Ritter und Pablo Dornhege November 2019 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg unter anderem Aspekte aus dem Teilprojekt “Das Virtuelle Große Schauspielhaus Berlin” (AT) beleuchtet.

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digital.DTHG bei der BTT_digital

Nach kurzfristiger Absage der 60. Bühnentechnischen Tagung 2020 in Ulm haben wir den digital.DTHG Messestand in Windeseile in den digitalen Raum überführt und für die Nachwelt auf unserem Youtube-Kanal dauerhaft dokumentiert.

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Weitere Projekte:

 

Augmented Reality in der Veranstaltungstechnik

Die zentrale Frage in diesem Teilprojekt ist, inwieweit Augmentierte Realität zur Verbesserung, Erleichterung, Erweiterung der täglichen Arbeit genutzt werden kann und zu einer Erhöhung der Sicherheit auf der Bühne führt.

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CANON Theater Technik Geschichte

Ziel dieses Verbundprojektes mit europäischen Hochschulpartnern ist es, ein Bewusstsein und Verständnis für eine europäische Geschichte der Theatertechnik  zu fördern. Das Projekt leistet einen Beitrag zum aktuellen Diskurs über die Bewahrung des kulturellen Erbes transnationaler und internationaler Theatertechnologie und -technik. 

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Virtuelle Bauprobe

In diesem Teilprojekt wird die Nutzung bestehender Anwendungen als Werkzeug für die Durchführung Virtueller Bauproben untersucht – also Bauproben, die nicht physisch im Theater und auf der Bühne stattfinden, sondern im virtuellen Raum und ortsunabhängig stattfinden können. Mit dem Workshop “How to go Virtual” haben wir ein Format entwickelt, das Theatern und Veranstaltungsstätten vor Ort …

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