Workshopreihe: How to go virtual?

Virtual Reality Workshop am tjg. Dresden und bald an anderen Theatern?

Der Einstieg in neue digitale Welten ist ein großer Schritt mit vielen Hürden. Neue Software und Arbeitsweisen erfordern eine intensive Auseinandersetzung und nehmen viel Zeit in Anspruch. Zeit, die nicht immer vorhanden ist, nicht nur am Theater. Unwissenheit, schlechte Erfahrungen und Widerstände auch im Kolleg*innenkreis machen es nicht leicht, der eigenen Neugier genügend Raum fürs Experimentieren zu geben. Deshalb bleiben die Tore zu digitalen Welten oft verschlossen, das Arbeiten mit Virtuellen Realitäten wird bislang nur von einigen wenigen Theatern verwirklicht. Auch in der Ausbildung von Theater- und Veranstaltungstechnikern halten immersive Medien erst seit Kurzem Einzug.

Aus diesem Anlass hat das Team der digital.DTHG im Rahmen des Forschungsprojektes “Im/material Theatre Spaces” die Workshopreihe „How to go Virtual?“ entwickelt. Ziel ist es, an Theater- und Veranstaltungsstätten mit ihren Technischen Leiter*innen, Konstrukteur*innen,  aber auch freien Bühnenbildner*innen einen einfachen Zugang zum Arbeiten mit und in Virtuellen Realitäten zu gewähren. Hier soll es  Raum fürs Ausprobieren geben und nachhaltig Wissensgrundlagen für den vielfältigen Einsatz von VR im Theater geschaffen werden. Der Workshop besteht aus einer ortsunabhängigen Phase zur (Daten)vorbereitung sowie mehreren Vor-Ort Sessions über einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen. Neben theoretischen Aspekten wie Begriffsklärungen und technischen Details wird ein großer Schwerpunkt auf die Praxis gesetzt: Sowohl das Ausprobieren bestehender Anwendungen und Programme als auch das konkrete Durchspielen eigener Nutzungsszenarien und Workflows von VR. Die Technologie wird hier in ihren vielfältigen Möglichkeiten als Visualisierungs-, Gestaltungs-, Konstruktions- und Kommunikationsmedium vermittelt.

(v.l. Vincent Kaufmann, Lutz Hoffmann, Grit Dora von Zeschau und Robert Rott)
v.l. Vincent Kaufmann, Lutz Hoffmann, Grit Dora von Zeschau und Robert Rott, Foto: Tabea Hörnlein

Projektpartner und Pioniere der ersten Stunde sind die Kolleg*innen des tjg. theater junge generation (Dresdens Kinder- und Jugendtheater): dort fand unter Leitung des VR-Coaches Vincent Kaufmann (digital.DTHG) im Juni 2020 ein erster Initial-Workshop statt. Technischer Direktor Lutz Hofmann, Konstrukteur Robert Rott und Chefbühnen- & Kostümbildnerin Grit Dora von Zeschau tauchen zur Zeit mit dem geliehenen Equipment in die digitalen 3D-Welten ein und diskutieren mögliche Adaptionen der Open-Air Produktion “Das doppelte Lottchen” – natürlich virtuell! “Wir würden auf keine echte Bauprobe inklusive dem wichtigen persönlichen Kontakt verzichten, aber für die Planungsphase erhoffe wir uns ein effektives, zeitgemäßes Kommunikationsmittel.”

Das Bühnenbild „Das doppelte Lottchen“ im virtuellen Bühnenraum des tjg Dresden
Das Bühnenbild „Das doppelte Lottchen“ im virtuellen Bühnenraum des tjg. Dresden

In der Workshopreihe  “How to go Virtual” widmen wir uns folgenden Fragestellungen und Inhalten. Diese werden individuell und nach aktuellem Bedarf und Wissenstand mit den Theatern abgestimmt:

  • Erstkontakt mit der Technologie / Faszination VR / Ausprobieren verschiedener Systeme
  • Kennenlernen technischer Grundlagen: Welche verschiedenen VR-Systeme gibt es, wie funktionieren sie und was sind die Voraussetzungen (z.B. für die Oculus Go, Windows Mixed Reality Brille, Oculus Quest)
  • Einsatzgebiete von VR am Theater: zum Skizzieren von Ideen, als Konstruktionssoftware, für die Aufbereitung und Visualisierung von Details, als Diskussionsplattform und vielseitiges Kommunikationsmittel – z.B. rund um die Virtuelle Bauprobe
  • Programme und Arbeitsweisen: Mit welchen Programmen kann ich Workflows entwickeln? Von Tilt Brush über Sketchbox zu VR-Sketch. Einen Überblick gibt es hier.
  • Individueller Einsatz am eigenen Theater: Welche Workflows eignen sich am Besten für das eigene Haus, wie können diese einfach und schnell in den Arbeitsalltag integriert werden?
  • Chancen und Risiken von VR am Theater (u.a. Kosten, Zeit, Datenaufbereitung, Mitarbeiterressourcen, Know-How, Weiterbildung, Nachhaltigkeit, Wartung, Hygiene)

Die Begeisterung bei den Dresdner Kolleg*innen war enorm: “Erst im eigenständigen Erleben und Ausprobieren von VR konnte ich die räumliche Wirkung und die Potentiale von VR erkennen”. Auch Lutz Hofmann unterstreicht das großes Potential der Technologie für gemeinsame kollaborative Arbeiten von Künstlern und Technikern in der Planungsphase einer Inszenierung: “Bei der Begegnung im virtuellen Raum findet jeder Beteiligte einfach zu nutzende Tools zur Darstellung seiner gestalterischen oder technischen Ansätze, womit eine effektive Übersetzung und Überprüfung von Gedanken jenseits von Modellbau und reinen Zeichenprogrammen möglich ist”.

Wir sind zuversichtlich, dass weitere Theater diesem Beispiel folgen und die Tore zu digitalen Welten öffnen. Wenn Sie Interesse an einem Workshop haben und in virtuelle Welten eintauchen wollen, melden Sie sich gern bei uns.

Ansprechpartner und weitere Information: Vincent Kaufmann digital@dthg.de

 

Fotos: Tabea Hörnlein