Reality-Check WebXR-Tutorial am Deutschen Theater Berlin

In einem Praxistest haben wir Ende April 2021 mit dem Techniker:innen-Team des Deutschen Theater Berlin einen WebXR-Prototypen zum Aufbau der Gerriets TRUMPF 95 Vorhangschiene getestet. 

Der vom digital.DTHG Team entwickelte Prototyp, der in diesem Blogartikel beschrieben ist, hat zum Ziel, das Arbeiten auf und hinter der Bühne mit digitalen Technologien zu verbessern und zu erleichtern. Die Aufbauanleitung, in diesem Fall für die TRUMPF 95 Vorhangschiene der Firma Gerriets, ist als übertragbare Musterlösung konzipiert, d.h. sie ist Stellvertreter für jegliche Objekte oder Produkte aus der Theaterindustrie. Der Prototyp ist auf der Basis der WebXR Technologie konzipiert. Das bedeutet, dass 3D-Inhalte geräteunabhängig in diversen Ausspielvarianten genutzt werden können. Die Anleitung kann also sowohl im Browser selbst (Desktop-Variante) als auch im Augmented-Reality-Modus (via Tablet oder AR-Brille) oder im Virtual-Reality-Modus mit einer VR-Brille dargestellt werden.

 


Unsere Hauptfragestellungen, die wir vor Ort mit den Techniker:innen eruiert haben, stellen wir im Folgenden vor. Die Antworten sind paraphrasiert zusammengestellt aus den Kommentaren und Meinungen der Beteiligten:


Wie ist euer erster Eindruck, wie gut seid ihr klargekommen?

  • Auf Handy, Tablet und dem Computer war die Bedienung sehr selbsterklärend
  • Die Bedienung der VR- und AR-Brillen musste kurz erklärt werden, aber dann war die Nutzung der Anwendung nachvollziehbar
  • Nach anfänglicher Skepsis war die digitale Aufbauhilfe insgesamt hilfreich, denn die einzelnen Schritte sind doch recht komplex

Die 3D-Modelle im Prototypen waren sehr detailliert. Könnte die Darstellung auch abstrakter sein?

  • Die realistische und detaillierte Darstellung war sehr hilfreich. Der Detailgrad ist notwendig, um die Bauteile schnell identifizieren zu können. Beim Aufbau will man nicht erst eine zu abstrakte Darstellung in die Realität “übersetzen”
  • Die Arbeitsschritte können gern noch ausführlicher gezeigt werden und mehr Informationen beinhalten: Welches Werkzeug brauche ich und wo kommt es zum Einsatz?


Wie praxistauglich schätzt ihr solch ein Tool ein?

  • Die Arbeit mit einem Tablet oder einem Touch-Screen auf der Bühne kann ich mir jetzt schon vorstellen.
  • So eine Augmented Reality Brille ist vermutlich sehr empfindlich und nach wie vor etwas unhandlich, aber das wird sich in Zukunft sicher ändern

Welche zusätzlichen Funktionen wünscht ihr Euch? 

  • Ich hätte gern einen eigenen Account, sodass ich bestehende Tutorials anpassen kann
  • Ich kann mir z.B. vorstellen, Notizen für Kolleg:innen zu hinterlassen, für spezifische Lösungen innerhalb unseres Hauses oder für jeweilige Produktionen – als Audiokommentar oder als grafische Skizze

Welche Szenarien und Zielgruppen für die Anwendung könnt ihr Euch noch vorstellen?

  • Ich kann mir viele weitere Tutorials für andere Geräte und Maschinerie vorstellen, wie z.B. Drehbühnenaufbauten, Szenenumbauten oder komplexe Bühnenaufbauten
  • Ganz sicher hilfreich zur Vor-Visualisierung zum Beispiel bei einem Theater-Neubau, einer Erweiterung oder Sanierung des Hauses 
  • So eine Anwendung bietet sich zum technisches Onboarding an: So können sich neue Kolleg:innen oder Stagehands schon vorab mit den Gegebenheiten beschäftigen
  • Mit so einem Werkzeug könnten Aufgaben, die selten vorkommen auch spielerisch in einem Wissens-Check geübt werden
  • Das Tool wäre eine gute Methode, um Sicherheitsüberprüfung und Wartungen zu begleiten
  • So eine Methode wäre als digitale Übungssituation eine sehr gute Ergänzung für die Lehrmaterialien in der Ausbildung, in der Berufsschule oder im Studium



Welche technischen Hindernisse und organisatorische Hürden seht ihr? 

  • Ist das nicht viel zu teuer, woher kommen die Budgets für so eine Arbeitsweise?
  • Das Handling mit den zusätzlichen “Devices” fand ich kompliziert, denn ich will auf der Bühne nicht mit Maus und Tastatur arbeiten
  • Wie ist das mit dem Datenschutz? Wir wollen nicht, dass z.B. der Arbeitgeber uns direkt “überwachen” kann – oder uns gar virtuell über die Schulter schaut
  • Für so eine Arbeitsweise haben viele Theater noch gar keine Grundlage, oft mangelt es schon an einer stabilen WLAN-Verbindung
  • Wir brauchen Zeit zum Ausprobieren und Lernen, denn nicht alle Kolleg:innen haben das Verständnis für die neuen Technologien
  • So eine Digitale App steht und fällt mit der Qualität der 3D Daten: wer stellt die Daten bereit, wer hostet und wer pflegt sie?

Die Impulse und Fragen fließen in die weitere Ausarbeitung ein. Wir danken allen DT Mitarbeiter:innen und Impulsgeber:innen, die an diesem Praxistest teilgenommen haben: Olaf Grambow, Marco Fanke, den Technikern Jörg Tippelmann, Philipp Kurth, Martin Ziebart, Katharina Langer, Naomi Mead.

Wir danken Andreas Gause, Director Marketing und Key Account Management Gerriets, der uns mit Rat und Tat durch den Prozess begleitet hat und für die diversen Tests eine Vorhangschiene zur Verfügung gestellt hat.


digital.DTHG Team: Pablo Dornhege, Franziska Ritter, Vincent Kaufmann, Maria Bürger
Fotocredit: © digital.DTHG / Maria Bürger

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